Apfelernte verwerten: Mus, Chips und Herbstdeko aus dem eigenen Garten
Wer einen Apfelbaum im Garten hat, kennt das Bild: Ende September hängen die Äste bis zum Boden durch, und unter dem Baum liegt bereits das erste Fallobst. Bei mir waren es letztes Jahr rund 70 Kilo von einem einzigen alten Boskoop, den schon mein Opa gepflanzt hat. Wegwerfen kam nicht infrage – also wurde eingekocht, getrocknet und gebastelt, bis die ganze Küche nach Zimt roch.
Warum sich die Mühe wirklich lohnt
Äpfel aus dem eigenen Garten schmecken anders als die glänzende Ware aus dem Supermarkt – oft herber, manchmal auch mehliger, aber genau das macht sie ideal zum Verarbeiten. Fallobst mit ein paar braunen Stellen ist für Mus oder Chips völlig in Ordnung, solange man die schlechten Teile großzügig rausschneidet. Wichtig ist nur: faules oder schimmliges Obst gehört auf den Kompost, nicht in den Topf.
Apfelmus einkochen wie bei der Oma
Apfelmus ist der Klassiker, weil er einfach geht und fast keine Ausrüstung braucht. Auf 2 Kilogramm geschälte, entkernte Äpfel rechne ich etwa 150 ml Wasser oder Apfelsaft, eine Zimtstange und je nach Süße der Sorte 2 bis 4 Esslöffel Zucker. Manche lassen den Zucker ganz weg, wenn die Äpfel schon süß genug sind – bei Elstar oder Gala geht das problemlos.
Das Grundrezept
Die Apfelstücke mit Wasser und Zimtstange in einen großen Topf geben und bei mittlerer Hitze etwa 20 bis 25 Minuten köcheln lassen, bis sie weich zerfallen. Danach die Zimtstange rausfischen und das Mus je nach gewünschter Konsistenz mit dem Stabmixer pürieren oder für die grobe Variante mit der Kartoffelpresse durchdrücken. Ein Spritzer Zitronensaft am Ende hält die Farbe schön hell und rundet die Süße ab.
Haltbar machen für den Winter
Das heiße Mus sofort in saubere, ausgekochte Twist-off-Gläser füllen, bis knapp unter den Rand, Deckel drauf und die Gläser für fünf Minuten auf den Kopf stellen. So entsteht ein Vakuum, und das Mus hält sich ungeöffnet mindestens ein Jahr im Vorratsschrank. Wer ganz sicher gehen will, kocht die gefüllten Gläser zusätzlich 10 Minuten im Wasserbad ein.
- Etwa 1,5 kg Äpfel ergeben rund 3 bis 4 Gläser Mus à 250 ml
- Zimtstange statt Pulver verwenden – schmeckt milder und wird nicht bitter
- Angebrochene Gläser im Kühlschrank innerhalb einer Woche aufbrauchen
- Für pikante Beilagen einfach den Zucker weglassen und etwas Meerrettich zufügen
Apfelchips aus dem Backrohr oder Dörrautomat
Chips sind die perfekte Verwertung für Äpfel, die zu klein oder zu unförmig für die Deko sind, aber noch fest genug für dünne Scheiben. Ich schneide sie mit dem Gemüsehobel etwa 2 bis 3 Millimeter dick, entferne die Kerne mit einem kleinen Ausstecher und lege sie auf Backpapier, ohne dass sie sich berühren. Ein bisschen Zimt drüberstreuen ist optional, aber bei uns Pflicht.
Im Backrohr trocknen die Scheiben bei 90 Grad Umluft und leicht geöffneter Tür etwa 2 bis 3 Stunden, je nach Dicke und Saftgehalt der Sorte. Man muss sie nach der Hälfte der Zeit wenden, sonst werden sie ungleichmäßig braun. Ein Dörrautomat schafft das bei 60 Grad in 6 bis 8 Stunden schonender, dafür dauert es eben länger – wer öfter dörrt, für den lohnt sich die Anschaffung durchaus.
Fertig sind die Chips, wenn sie sich leicht biegen lassen, aber nicht mehr klebrig sind – beim Abkühlen werden sie automatisch knuspriger. In einer luftdichten Dose halten sie sich locker zwei bis drei Wochen, vorausgesetzt, sie werden vorher nicht alle aufgegessen.
Herbstdeko: Vom Apfel zum Deko-Objekt
Getrocknete Apfelringe sind nicht nur zum Essen da – sie machen sich auch hervorragend als natürliche Herbstdeko. Für die Deko-Variante schneide ich die Äpfel quer in Scheiben, sodass man das Sternmuster der Kerngehäuse sieht, und trockne sie genauso wie die Chips, nur ohne Zimt und Zucker. Nach dem Trocknen wirken sie fast wie kleine Bernsteinscheiben und behalten diese Form monatelang.
Kranz und Fensterschmuck
Aus den getrockneten Ringen lässt sich mit etwas Draht oder Kordel im Nu ein Herbstkranz binden – einfach die Scheiben auffädeln, mit Zimtstangen, Hagebutten oder kleinen Tannenzapfen kombinieren und an einem Weidenkranz befestigen. Für Fensterdeko reicht ein Stück Bindfaden durch die Mitte jeder Scheibe, dazu ein paar getrocknete Orangenscheiben – das duftet nebenbei auch noch dezent nach Zitrus und Apfel.
Deko aus frischem Fallobst
Auch unbehandelte, frische Äpfel eignen sich für spontane Tischdeko: In einer flachen Schale mit Moos, Kastanien und ein paar Ästen wirken sie schon nach fünf Minuten Bastelzeit herbstlich. Wichtig ist nur, sie nicht zu lange liegen zu lassen, bevor sie faulen – nach etwa einer Woche sollten sie ausgetauscht oder eben doch noch zu Mus verarbeitet werden.
Reste sinnvoll nutzen
Schalen und Kerngehäuse, die beim Mus-Kochen anfallen, müssen nicht auf den Kompost. Aus den Schalen lässt sich mit etwas Wasser, Zucker und Zeit ein einfacher Apfelessig ansetzen, der nach sechs bis acht Wochen fertig ist und sich super für Salatdressings eignet. Wer keine Lust auf Essig hat, kocht die Schalen einfach mit Wasser und etwas Zimt zu einem Tee-Sud auf – schmeckt warm getrunken erstaunlich gut und riecht nach den Vorbereitungen für Weihnachten.
Am Ende bleibt von den 70 Kilo Fallobst bei uns nicht viel übrig außer ein paar vollen Regalfächern im Keller und einem Kranz an der Haustür. Wer selbst einen Apfelbaum im Garten hat, sollte die Erntezeit als das nehmen, was sie ist: eine gute Gelegenheit, Küche und Deko-Ecke gleichzeitig zu füllen, ohne einen einzigen Apfel wegwerfen zu müssen.